„Wahnsinn, was hier schon alles blüht und fliegt“, sagt die städtische Landschaftsarchitektin Stefanie Birk, während ihr Blick auf das Vordach des Technischen Rathauses fällt. Vor ihr breitet sich ein noch etwas lückenhafter Pflanzenteppich aus. Darunter wachsen Sedum-Pflanzen neben Bohnenkraut, Kartäusernelken und Thymian. Die Setzlinge wurden erst vor zwei Monaten gepflanzt und sind inzwischen deutlich gewachsen.
Das grüne Rathaus-Flachdach zeigt anschaulich, welche Vorteile Gebäudebegrünungen für Mensch und Tier haben. Wer Lust hat, Dach oder Gebäudefassade zu begrünen oder Grundstücke zu entsiegeln, kann das über das Stadtprogramm bio.og mit Zuschüssen von bis zu 2.000 Euro fördern lassen. „Schon 20 Quadratmeter Dachbegrünung, zum Beispiel auf einer Garage, bringen etwas“, erklärt Birk, die das Programm betreut und Bürgerinnen und Bürger berät. Der Bundesverband GebäudeGrün (BuGG) nennt dazu konkrete Zahlen: Eine begrünte Dachfläche kann im Sommer Oberflächen um bis zu 19 Grad abkühlen und im Winter um bis zu sieben Grad wärmen. Zudem speichert die Vegetationsschicht bei Starkregen Wasser und gibt es langsam wieder ab, was Kanalnetze entlastet und Überschwemmungen verringert. Begrünte Dächer harmonieren außerdem gut mit Photovoltaik, da Verdunstungskühlung die Module weniger aufheizen lässt und so höhere Stromerträge ermöglicht.
Extensive vs. Intensive Dachbegrünung: Für die meisten bestehenden Gebäude eignet sich eine extensive Dachbegrünung. Sie ist leichter (ca. 80–180 kg pro Quadratmeter) und benötigt eine Substratschicht von 8–15 cm. Ein Statiker sollte dennoch hinzugezogen werden. Bepflanzt wird mit widerstandsfähigen Arten wie Sedum oder Thymian, die Hitze und Frost trotzen. Intensive Dachbegrünungen mit größeren Substratschichten ermöglichen auch Sträucher oder größere Pflanzen, sind aber meist zu schwer für bestehende Dächer und daher oft nur bei Neubauten umsetzbar, so Birk. Klimaschutztechnisch bringt eine extensive Begrünung pro Quadratmeter zwischen 0,5 und 0,9 Kilogramm CO₂-Bindung; Fassadenbegrünung ca. 2,3 Kilogramm. Zum Vergleich: Eine normale Rasenfläche bindet ca. 0,5–1,5 kg CO₂, eine artenreiche Wiese bis zu 5 kg.
Begrünte Dächer und Fassaden schaffen Lebensräume für Tiere. Nektar- und pollenreiche Pflanzen locken Wildbienen, Schmetterlinge und andere Insekten an; Vögel finden Rastplätze und Nahrung. Selbst ein kleines Garagendach kann so zu einem sogenannten „Trittsteinbiotop“ im Stadtgebiet werden – Orte, die Tieren zwischen ihren Habitaten Zuflucht bieten. „Bei naturnaher Gestaltung wird die Artenvielfalt gefördert“, so Birk. Biodiversitätsdächer können zudem Totholz und Nisthilfen für Wildbienen enthalten. Wichtig bleibt auch hier die Gebäudestatik. Ein weiterer Vorteil von Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen ist die Staubbindung und Luftreinigung der Pflanzen, was die Feinstaubbelastung senkt.
So funktioniert‘s: Seit Programmstart haben 16 Offenburgerinnen und Offenburger die Chancen genutzt, sich Gebäudebegrünung oder Flächenentsiegelung fördern zu lassen (einschließlich naturnaher Umgestaltung von Schottergärten). Wer ein ähnliches Projekt plant, findet alle Unterlagen unter www.offenburg.de/bio-og. Antrag herunterladen, ausdrucken und ausfüllen, Kostenschätzung, Lageplan mit Maßen, Eigentumsnachweise und aktuelle Fotos der Fläche beifügen. Nach Bewilligung geht’s los. Bauzeit und Fertigstellung müssen dokumentiert und nach Abschluss eingereicht werden; danach erfolgt die Auszahlung. Bei Fragen berät Stefanie Birk gern per E-Mail an stefanie.birk@offenburg.de.